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Erläuterung zum Indikator Tuberkulose

Hintergrund

Die Tuberkulose wird durch das Mycobacterium tuberculosis verursacht. Am häufigsten manifestiert sie sich in der Lunge, kann aber prinzipiell jedes Organ betreffen. Typischerweise werden die Erreger von körpereigenen Abwehrzellen eingekapselt. Dann bildet sich ein sogenannter Primärkomplex. Erhält ein solcher Krankheitsherd Anschluss an die Luftwege, können Mykobakterien mit der Atemluft und Körpersekreten ausgeschieden und durch Tröpfcheninfektion übertragen werden. Man spricht dann von einer offenen Tuberkulose. Besonders ansteckend ist die mikroskopisch positive Form, bei der so viele Mykobakterien im Auswurf enthalten sind, dass sie schon bei bloßer Betrachtung unter dem Mikroskop sichtbar sind[1].

Alle Formen von Tuberkulose-Erkrankungen sind nach dem Infektionsschutzgesetz meldepflichtig. Das Auftreten von Tuberkulose ist stark mit der sozialen Lage und dem Vorhandensein eines Migrationshintergrundes assoziiert[2].

Prävention

Pfeiler einer erfolgreichen Tuberkulose-Bekämpfung sind eine rasche Diagnosestellung, die Isolierung Erkrankter mit offener Tuberkulose, eine schnell einsetzende Therapie mit wirksamen Arzneimitteln und die Untersuchung der Kontaktpersonen auf Ansteckungszeichen sowie gegebenenfalls deren präventive Behandlung[1, 3]. Bei jedem Husten, der länger als drei Wochen anhält, sollte ein Arzt aufgesucht werden[1].

Die BCG-Impfung wird seit 1998 nicht mehr empfohlen. Neue Impfstoffe werden derzeit klinisch geprüft, davon einige sogar bereits im Rahmen einer Phase IIb- Studie.[4, 5].

Güte der Daten

Die Güte der Daten ist gekennzeichnet durch eine standardisierte Dokumentation nach den Falldefinitionen des Robert Koch-Instituts zur Übermittlung von Erkrankungs- oder Todesfällen und Nachweisen von Krankheitserregern. Nach der Falldefinition des Robert Koch-Instituts ist die Meldekategorie Tuberkulose charakterisiert durch die Indikationsstellung des behandelnden Arztes zur Durchführung einer vollständigen Antituberkulotika-Therapie oder nach dem Tod bekannt werdende Befunde, die zu Lebzeiten eine ärztliche Indikation zur Durchführung einer vollständigen Antituberkulotika-Therapie ergeben hätten. In die Falldefinition gehen zudem labordiagnostische Nachweise ein (kulturelle Isolierungen des M.-tuberculosis-Komplexes sowie der mikroskopische Nachweis säurefester Stäbchen).

Die Fallzahlen für Neuerkrankungen an Tuberkulose sind auf Landes- und Kreisebene gering, dass die Inzidenz insbesondere auf Kreisebene stark von Zufallsschwankungen abhängig ist.

Seit 2014 ist der 01.03. des Folgejahres Stichtag für die Auswertung der Tuberkulose-Daten [2]. In den Jahren davor war jeweils der 01.08. Stichtag.

Der zeitliche Ablauf bei der infektionsepidemiologischen Ermittlung kann dazu führen, dass zum Stichtag der Auswertungen für die Jahresstatistik noch nicht alle Informationen zur Bestätigung der Falldefinition vorliegen. Das kann Einfluss auf die Gesamtzahl der veröffentlichten Fälle haben.

Datenhalter

Abteilung für Infektionsepidemiologie des Robert Koch-Instituts

LAVG Brandenburg

Datenquelle

Jahresstatistik der meldepflichtigen Krankheiten

Periodizität

Jährlich

Erläuterung zum Indikator

Die Fallzählung der Tuberkulosen erfolgt nach den vom Robert Koch-Institut festgelegten Referenzdefinitionen[6], die sowohl das klinische Bild, den labordiagnostischen Nachweis, als auch die epidemiologische Bestätigung berücksichtigen (ICD-10: A15.- bis A19.- und P37.0). Daten liegen bis auf Kreisebene vor. Im vorliegenden Indikator werden Neuerkrankungen an Tuberkulose nach dem Wohnort des Erkrankten ausgewiesen.

Grundlage für die Inzidenzberechnung ist die von den Statistischen Landesämtern bekannt gegebene Stichtagsbevölkerung zum 31.12. des Vorjahres. Durch den Bezug auf die Anzahl der Einwohner in der jeweiligen Altersgruppe wird auch bei altersspezifischen Vergleichen die demografische Verteilung berücksichtigt.

Es handelt sich um einen Ergebnisindikator.

Vergleichbarkeit

Vergleichbar mit dem WHO-Indikator 2010 040301[7] sowie dem EU-Indikator HSIND015029[8]. Nicht vergleichbar mit OECD-Indikatoren[9]. Bedingt vergleichbar mit Indikatoren 3.61 und 3.62 AOLG (2003) - spezifisch ausgerichtet auf Neuerkrankungen an bakteriell gesicherter Lungentuberkulose[10]; Auswertungen erfolgen auf Landesebene nach Deutschen und Ausländern im Zeitvergleich sowie nach Geschlecht im Regionalvergleich.

Quellen

  1. RKI-Ratgeber für Ärzte Tuberkulose. In Epidemiologisches Bulletin, vol. 02/2013. Berlin: Robert Koch-Institut; 2013.
  2. Robert-Koch-Institut: RKI-Bericht zur Epidemiologie der Tuberkulose in Deutschland für 2016. Berlin; 2017.
  3. Otto-Knapp R., Schenkel K., Bauer T.: Standardtherapie der Tuberkulose. Internist (Berl) 2016, 57:117-125.
  4. Kaufmann S. H., Weiner J., von Reyn C. F.: Novel approaches to tuberculosis vaccine development. Int J Infect Dis 2017, 56:263-267.
  5. World Health Organization: Tuberculosis vaccine development, Last Update: 12.05.2015, http://www.who.int/immunization/research/development/tuberculosis/en/.
  6. Falldefinitionen des Robert Koch-Instituts zur Übermittlung von Erkrankungs- oder Todesfällen und Nachweisen von Krankheitserregern. Robert-Koch-Institut; 2016.
  7. World Health Organization: WHO vaccine-preventable diseases: monitoring system., Last Update: 2017, http://apps.who.int/immunization_monitoring/globalsummary/indicators.
  8. European Commission: ECHI - European Core Health Indicators, Last Update: September 2016, http://ec.europa.eu/health/indicators/echi/list.
  9. OECD: Health at a Glance 2017. OECD Publishing; 2017.
  10. Arbeitsgemeinschaft der Obersten Landesgesundheitsbehörden (AOLG): Indikatorensatz für die Gesundheitsberichterstattung der Länder. Dritte, neu bearbeitete Fassung, 2003 edn. Bielefeld, Deutschland, 2003: Ministerium für Gesundheit, Soziales, Frauen und Familie des Landes Nordrhein-Westfalen (MGSFF); 2003.

Letzte Aktualisierung: 28.02.2019

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